Rezension zu Graf-Stuhlhofer, Christliche Bücher kritisch lesen

Das Buch erfordert, was es trainiert: kritisches Lesen.

Graf-Stuhlhofer behandelt in seinem Arbeitsbuch apologetische Bücher und berührt hierbei auch bekannte Autoren wie Gitt, McDowell, Bühne, Busch, Spieß, auch Francis Schaeffer und F.F. Bruce, die sich in ihren Büchern zu Themen wie Evolution, Katholizismus oder Bibelkritik geäußert haben.

Mit seiner Kritik trägt er dazu bei, die Qualität der apologetischen Arbeit zu verbessern. Im negativen Fall leidet die Reputation der Autoren, was in der Gesamtheit ihrer Arbeit jedoch nicht gerechtfertigt ist.

 

Stichprobenartiges Nachlesen der kritisierten Fälle lohnt sich in jedem Fall. Hierzu ein Beispiel:

Josh McDowell schreibt in seinem Buch, dass die Unerreichten, die nie von Jesus gehört haben, nicht „automatisch verdammt sein.“ (8) An anderer Stelle schreibt er von Cornelius, der als Beispiel dafür dient, „dass jeder, der ernsthaft wünscht, Gott zu erkennen, von Jesus hören wird.“ (9)

Graf-Stuhlhofer vergleicht die Aussagen und kritisiert auf Seite 26:

„Während in 9 der Leser glauben könnte, jene Menschen, die nie das Evangelium gehört haben, gehen verloren (denn hätten sie stark genug gewünscht Gott zu erkennen hätten sie ja von Jesus gehört), klingt es in 8 noch anders.“

Der Kommentar zu 9 beinhaltet einen Umkehrschluss, den McDowell nicht gezogen hat. Daher könnte der Leser das wohl glauben, muss er aber nicht. Die Frage nach dem ewigen Schicksal der Unerreichten ist ohnehin eine brisante Frage, über die sich leicht streiten lässt. Die Schwäche des Buches liegt hier in der ausschließlichen Absicht, nur zu kritisieren anstatt es besser zu machen.

Fehler in der apologetischen Arbeit führt zur Unglaubwürdigkeit, darin hat der Autor ein berechtigtes Anliegen. Allerdings lässt sich schon die mangelhafte Quantität der Apologetik heutzutage kritisieren. Wird das Wenige noch niedergemacht (und wer lange sucht der findet immer Fehler), wird der christliche Glaube bald gar nicht mehr verteidigt.

Fazit: Es gibt schlimmere Bücher als einige der von Graf-Stuhlhofer kritisierten, das bekannteste aktuelle Beispiel ist wohl „Die Hütte“ von W.P. Young. Lesern derartiger Bücher mit weiter Verbreitung gilt die Aufforderung, wirklich kritisch zu lesen. Wir empfehlen das Buch von Graf-Stuhlhofer deswegen, weil es – so hoffen wir – auch für solche Aufgaben ein wenig die Sinne schärft.