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Der Autor gibt sich erklärtermaßen Mühe, die orthodoxe Lehre nicht zu verletzen. Gleichzeitig gibt er sich keine Mühe, seine Gedanken durch Quellen zu belegen. „Jeder Theologe wird leicht feststellen, was und wie wenig ich gelesen habe“, schreibt er am Ende seines Vorworts. Schwieriger wird es für die, die ein solches Unterscheidungsvermögen nicht haben. Das Negative sei damit vorweg erwähnt: manche Gedanken von Lewis sind unorthodox, manche abenteuerlich und manche schlicht falsch. Er überstrapaziert die Lehre vom 'freien Willen' (wobei nicht recht deutlich wird, ob er den Begriff nach der reformatorischen Definition gebrauchen will), er verliert sich am Ende z.B. in Gedanken über das ewige Schicksal der Tiere und an manchen Stellen lässt er durchblicken, dass er Schwierigkeiten mit der biblischen Schöpfungslehre hat. So mancher Leser mag deswegen empört wegtreten und vom Autor C.S. Lewis Abstand nehmen. Unsere ausdrückliche Empfehlung ist aber, es nicht zu tun sondern mitzulesen und mitzudenken: Wer „Über den Schmerz“ nachsinnt, hat die Gottesfrage vor Augen. Warum aber glauben Menschen an einen guten Gott, den allgemeinen Erfahrungen von Leid und Schmerz zum Trotz? Lewis schreibt von der numinosen und sittlichen Erfahrung aller Menschen sowie von Jesus Christus als geschichtliche Tatsache. Erst mit diesem Glauben an Gerechtigkeit und Liebe stehen wir vor dem Problem des Schmerzes. Im folgenden Kapitel über Gottes Allmacht argumentiert Lewis, der Mensch sei mit 'freiem Willen' geschaffen und damit auch mit der Möglichkeit, anderen Schmerz zuzufügen. Insofern sei diese Welt „...die einzig mögliche.“ Man möchte entgegnen, dann sei der Himmel nicht viel anders. Im letzten Kapitel jedoch beschreibt Lewis seine Vorstellung vom Himmel (und von der Hölle) und sie ist lesenswert. Über Gottes Liebe spricht Lewis in vier brillianten Bildern. Seine Schlüsse daraus über den Schmerz sind befreiend und schwer in eigene Worte zu fassen: „Es übersteigt die Vernunft, erklären zu wollen, warum irgendein Geschöpf, geschweige denn ein Geschöpf wie wir, in des Schöpfers Augen einen so ungeheuren Wert haben könnte. Es ist wahrhaftig eine Bürde von Herrlichkeit, die nicht nur über das hinausgeht, was wir verdienen, sondern auch über das, wonach wir – außer in seltenen Augenblicken der Gnade – verlangen. Noch einmal, was uns in Verlegenheit bringt, ist die Unerträglichkeit der Ehrung, nicht ein Zuwenig, sondern ein Zuviel an Liebe.“ (S. 45 u. 51) So mancher Theologe schreibt belehrend und nüchtern über „Züchtigung, Strafe und Gericht.“ Lewis nimmt die Gedanken des Lesers gefangen und führt sie zur Kehrseite, zur Gottesliebe. Erst anschließend schreibt Lewis über das Wesen der menschlichen Bosheit, über den Sündenfall und über den Schmerz als Mittel zu Vergeltung, Heilung und Korrektur. Dem Otto Normalleser wird jede Illusion genommen, er sei kein schlechter Mensch und bräuchte Gott auch nicht. Unser tiefes Verlangen nach Gott bei gleichzeitiger Selbst-Hingabe ist hingegen unser höchstes Glück und unsere größte Freude. Auch hier bedient sich Lewis verschiedener Bilder um das zu verdeutlichen, was uns so schwer fassbar ist: wir sind als Gottes Gegenüber erschaffen, zur Gemeinschaft mit Ihm. Wer sich – nicht ohne Bibel in der Hand! - mit C.S. Lewis beschäftigt, wird so manche Juwelen entdecken. Immer wieder nimmt er den Leser mit hinein in seine Gedanken und betont dabei fortlaufend, er schreibe keine Lehrbücher. Seine demütige Haltung lädt ein zu wertvoller Kritik und auch zu scharfem Widerspruch, vor allem aber zu fröhlichem Austausch. |
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